Tanz berührt uns Menschen in unserem innersten Wesen, unsere tanzenden Bewegungen und Gesten bringen eine Kraft zum Ausdruck, die unserer innersten Quelle entspringt und unser wahres Sein lebendig werden lässt.

Die heilende Kraft des Tanzes

Die Entstehung und auch die Evolution des gesamten Universums ist ein einziger Tanz. So wird beispielsweise in der indischen Mythologie der Gott Shiva, Erschaffer des Universums, in einer tänzerischen Pose dargestellt.

Klang und Rhythmus werden bis heute als die Wurzel jeglicher Schöpfung angesehen.

 

Kein Medium ist mit dem Menschen so eng verknüpft wie die Bewegung und der Tanz.

 

Bevor der Mensch sich anderer Mittel bediente, seine Gefühle und Lebenserfahrungen zu zeigen, drückte er Freude, Furcht und Traurigkeit durch den Tanz aus. Vor der Entstehung einer gesprochenen Sprache verständigte der Mensch sich mit groben Gesten (Bewegung), später dann begleitet von einfachen Lauten (Rhythmen). Musik (ausdifferenzierte Rhythmen) und Tanz (ausdifferenzierte Bewegungen in der Regel zu Rhythmus bzw. Musik) haben einen gemeinsamen Ursprung:

die Natur des Menschen selbst und seine Umwelt. Mit beiden Methoden vermag der Mensch nonverbal zu kommunizieren, untereinander, mit seiner Umwelt, übernatürlichen Wesen, Gottheiten usw. Da religiöse Erfahrung und religiöser Ausdruck sich nur bedingt verbalisieren lassen, erschienen dem Menschen von jeher Musik und Tanz sowohl als geeignete Erfahrens- als auch als adäquate Ausdrucksmedien.

Ein Leben ohne Bewegung ist nicht möglich, entsprechend "bewegt" nichts den Menschen so sehr wie die Bewegung bzw. der Tanz. Infolgedessen wird der Tanz oft als "ursprünglichste Lebensäußerung" oder "Mutterkunst" bezeichnet.

Schon seit jeher lag die heilende Kraft des Tanzes im ursprünglichen Selbstausdruck und der zwischenmenschlichen Begegnung in der Gemeinschaft.

 

Die Tanztherapie als eine Form körperorientierter und kreativer Psychotherapie macht sich diese uralte Heilkraft des Tanzes zunutze - frei von festgelegten Formen und tänzerischem Können.

 

Der Tanztherapie liegt ein ganzheitliches Menschenbild im Sinne der Körper-Geist-Seele-Einheit zugrunde. Über die eigene Erfahrung in der Bewegung wird der Mensch nicht nur in seinem körperlichen, sondern auch in seinem emotionalen und geistigen Erleben angesprochen. Neben der Einsicht in die eigene Lebensthematik stellt das körperlich-sinnlich erfahrene Thema bzw. Problem den Ansatzpunkt des therapeutischen Prozesses dar. Der Mensch entdeckt, dass er durch Veränderungen im Tanz auch Veränderungen in seinem Alltag bewirken kann.

 

Der Körper kennt den Weg. Immer hat er eine tiefere und direktere Botschaft als unsere Sprache.

 

Tanz ist ein geeignetes Medium für persönlichen Ausdruck, denn er ist von seinem Ursprung her frei. Das gesamte menschliche Bewegungspotential ist im Tanz angelegt. Unsere Bewegungen und Gefühle sind einzigartiger Ausdruck unserer Persönlichkeit. Zugleich wiederholen sie sich aber auch. Sowohl beim Einzelnen, als auch in der Gruppe, in unserer Gesellschaft und in verschiedenen Kulturen.

 

Gesten religiöser Erfahrung, Gesten der Anbetung und Verehrung, Gesten der Kontaktaufnahme oder der Sehnsucht, zu allen Zeiten und auf der ganzen Welt haben sie sich ähnlich manifestiert. Sie entspringen unserem kollektiven, menschlichen Erbe. Sie sind archetypisch.

 

Die archetypischen Bewegungen führen uns von der persönlichen Ebene auf die kollektive. Dies passiert oft unmerklich. Die persönliche Ausgangsposition, sei es gestisch oder emotional, spielt dann keine Rolle mehr. Wir treffen uns im Wir. Es entsteht eine Art Netz, in dem es möglich wird, das persönliche Problem abzulegen. Es wird dann gemeinsam von der Gruppe getragen. In diesem Netz sind tiefgreifende Reinigungs- und Wandlungsprozesse möglich.

 

Aus dem kollektiven Raum heraus führt uns der Tanz weiter auf die Ebene des Seins. Hier sind nicht mehr wir alle, sondern Es ist. Es tanzt uns. Es verbindet mit Energie, Essenz, Lebenskraft, mit allem Seienden.

 

Diese drei Ebenen, die persönliche des "Ich bin", die kollektive des "Wir sind"  und die transpersonale  des "Es ist " wirbeln im Tanz kaleidoskopartig durcheinander. Sie durchdringen und ergänzen sich.

 

In dieser Verbindung von Persönlichem, Kollektivem und Transpersonalem hat der Tanz seine einzigartige Heilungskapazität.